Präsidentschaftswahl

Heute wird der neue Präsident, oder die neue Präsidentin, der Vereinigten Staaten gewählt. Ich erinnere mich an diesen Tag vor acht Jahren: Ich blieb die ganze Nacht lang wach und war am frühen Morgen den Tränen nahe, als Präsident-in-spe Barack Obama in Chicago seine Wahlnachts-Rede hielt:

“If there is anyone out there who still doubts that America is a place where all things are possible; who still wonders if the dream of our founders is alive in our time; who still questions the power of our democracy, tonight is your answer.”

Trotz aller Emotionen war mir schon an jenem frühen Morgen klar, dass viele, vielleicht sogar die meisten, welche Obama in jener Nacht zujubelten, ob in Grant Park, Illinois oder vor den Bildschirmen der Welt, in den nächsten vier Jahren enttäuscht werden würden. Obama wurde als Erlöser gefeiert, Erlöser aber leben in Geschichten und Mythen, nicht in der realen Welt. Von Anfang an war der neue Präsident dazu ausersehen war, zu enttäuschen.

Das Befürchtete trat natürlich ein – ich aber war gewappnet und wurde nicht enttäuscht. Obama war zusammen mit Reagan der beste Präsident meiner bisherigen Lebzeit. Ich glaube, dass man schon in naher Zukunft auf einen tatsächlich mythischen Obama zurückblicken wird.

Heute also wird die Ablösung des Erlösers gewählt. Natürlich hoffe ich auf einen Sieg Hillarys – sie wird sein Erbe fortsetzen. Natürlich aber ist es auch so, dass die Aussicht auf einen solchen keinen Enthusiasmus in mir auslöst.

Niemand mag sich für Hillary begeistern, dabei geht es mir nicht anders, und auch Obamas Erbe stehe ich nicht blauäugig gegenüber. Es ist auch das Erbe eines militaristischen Amerikas, dass sich überall einmischt, auf Konflikte mit Russland und China zusteuert und sich für die Vernichtung des islamischen Terrorismus verantwortlich fühlt (ohne sich aber zu trauen, diesen “islamisch” zu nennen). Krieg als Geschäft, business as usual.

Es ist auch das Erbe der aus dem Ruder gelaufenen politischen Korrektheit und der Übernahme des Staates durch social justice warriors und damit die verbundene erzwungene diversity und equality. Persönlich glaube ich an die Gleichheit vor dem Gesetz, nicht an die Gleichheit der Resultate. Was zur Zeit an der Front des westlichen Kulturkampfs erkämpft wird, ist Ungleichheit vor dem Gesetz zum Zwecke der Gleichheit der Resultate, welche natürlich nie erreicht wird, weshalb nun sogar die Aufgabe der persönlichen Freiheit zugunsten der Gleichheit gefordert wird. Ähnlich geht es mir mit der diversity – sie ist nur wünschenswert, wo sie sich organisch einstellt, ansonsten wird sie zur Bürde.

In diesen Fragen stehe ich Trump näher als Hillary. Trotzdem hoffe ich auf einen Sieg Hillarys, denn wenn sich in Trumps Wahlkampf auch gewisse reale Probleme manifestieren, ist er als Person so unkontrollierbar, selbstverliebt und ungebildet, dass ein Präsident Donald das Potential zum Desaster in sich birgt.

So oder so wird es in den USA zu Unruhen kommen. Unruhen vor allem in den sozialen Medien, welche sich meiner Meinung nach zum Teil auch in der realen Welt in der Form von Randalen und kleineren Anschlägen manifestieren werden.

Gewinnt Hillary, was anzunehmen ist, werden die Unruhen sich in Grenzen halten, was heißt, dass sie sich größtenteils auf den digitalen Raum beschränken werden. Die Unruhestifter werden in diesem Fall meist weiße, unzufriedene Männer sein – fast ohne Ausnahme bewaffnet, aber noch nicht zum Marsch auf DC bereit. Obwohl sie “Washington” verachten, fühlen sie sich der Polizei und den Streitkräften verbunden. Allerdings werden sie in den nächsten Jahren weiter marginalisiert werden. Die Militanz des rechten Widerstands wird weiter wachsen.

Gewinnt Trump, werden die Sicherheitskräfte monatelang alle Hände voll zu tun haben. Die Richtung welche das Riesenschiff Amerika in einem solchen Fall nehmen würde, ist völlig unabsehbar. Der typische liberale Europäer würde wohl den Untergang prophezeien – allerdings gehöre ich nicht zu denselben. Ich sähe nicht den Untergang auf uns zukommen, aber der innere Bruch Amerikas würde sich weiter auftun, so weit, dass man das Brückenbauen wohl für längere Zeit aufgeben würde.

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