Von der Vernetzung eingebildeter Realität

Im Flugzeug habe ich in Yuval Noah Hararis Sapiens: A Brief History of Humankind gelesen. Ich bin begeistert. Es ist die richtige Ergänzung zu meinem Besuch im Dänischen Nationalmuseums am Sonntag, bei dem ich mich auf die Frühgeschichte bis zum Ende der Wikingerzeit konzentriert hatte. Ich las vom Start bis zur Landung. Nur als Paris unter mir leuchtete, legte ich das Buch für einen Augenblick zur Seite, um den Eiffelturm zu fotografieren …

Harai beschreibt die Mythen der Alten, genauso wie Peugeot, als eingebildete Realität, die nur existiert, wenn ein Mensch (subjektiv) oder eine Gruppe von vernetzten Menschen (inter-subjektiv) daran glauben. Objektiv ist einzig die Wissenschaft.

Wir alle glauben an Subjektives. Private subjektive Wahrheiten (also objektiv – mit wissenschaftlichen Mitteln – nicht Überprüfbares oder sogar Falsches) sind akzeptabel solang sie sich nicht zu sehr in den öffentlichen Raum vortasten. Behaupten wir aber lautstark von Dingen zu wissen, die (objektiv) nicht existieren, werden wir für verrückt erklärt – außer natürlich wir bewegen uns in einem inter-subjektiven Rahmen, zum Beispiel innerhalb einer Religion. Das Inter-Subjektive geht aber weit über Religionen hinaus, denn trotz der Gefährlichkeit subjektiver Wahrheiten sind inter-subjektive Wahrheiten für das funktionieren der Gesellschaft absolut notwendig. Geld, Gesetze und Google sind Beispiele für solche inter-subjektive Wahrheiten – sie alle existieren nur, weil ein großes Kollektiv von Menschen daran glaubt. Würde ich heute aufhören an die Realität des Euro zu glauben, hätte das keinen Einfluss auf die Welt, würden wir alle aber plötzlich nicht mehr an ihn glauben, würde er zu existieren aufhören. Aus subjektivem Geld würde auf einen Schlag objektives Metall und Papier werden. Würde nur ich an Google glauben, nicht aber die Stockholder, die Mitarbeiter und Internetsurfer, würde Google in sich zusammenfallen. Natürlich wird der Glaube an die subjektive Einheit Google (ein Wesen, ein Geist?) dadurch erleichtert, dass sie sich dank ihrer Inter-Subjektivität real in der Welt zu manifestierten beginnt, genauso wie der Euro – ich sehe Google auf dem Bildschirm vor leuchten, stelle ich ihm eine Frage, antwortet es mir; für die Aussicht auf 1.30 Euro, gibt mir die nette Frau im Café einen Cortado.

Die Vernetzung macht Subjektives also wahr – ansonsten gäbe es keine Kultur, keinen Handel, keine Mythen. Ohne die Vernetzung von eingebildeten Wahrheiten wären wir immer noch vor-kognitive Neandertaler.

One thought on “Von der Vernetzung eingebildeter Realität”

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s