Kognitive Dissonanz

Das deutsche Wikipedia definiert kognitive Dissonanz als (sozial-)psychologischen Begriff welcher einen als unangenehm empfundenen Gefühlszustand beschreibt, der dadurch entsteht, dass ein Mensch mehrere Kognitionen hat – Wahrnehmungen, Gedanken, Meinungen, Einstellungen, Wünsche oder Absichten –, die nicht miteinander vereinbar sind.

Der Zustand der kognitiven Dissonanz existiert aber nicht nur im Menschen, sondern auch in Institutionen, Kulturen und Gesellschaften. In Sapiens führt Harari als Beispiel das Rittertum des Mittelalters auf. Einerseits war den Rittern das Christentum wichtig und dieses predigte, die andere Wange hinzuhalten, andererseits aber hielt das Rittertum Tapferkeit in Ehren – der Begriff „Ritterlichkeit“ ist heute noch verständlich. Natürlich war beides ebenso wichtig wie unvereinbar. Diese innere Dissonanz des Rittertum war mit ein Grund für die Kreuzzüge. Auf diesen konnte der Ritter sowohl seine Tapferkeit, als auch seine Gottesfürchtigkeit unter Beweis stellen. Die Kognitive Dissonanz also, welche gewisse Menschen vor innere Herausforderungen stellte, entwickelte sich, da genug Menschen mit derselben Dissonanz zu ringen hatten, zu einem gesellschaftliche-kulturellen Phänomen, welche sich in einem blutigen Kriegszug manifestierte.

Das Konzept der kognitiven Dissonanz scheint mir ein nützliches Werkzeug zu sein, um sowohl sich selbst als auch andere Menschen und gesellschaftliche Phänomene überhaupt zu analysieren. Hinter manchem konfliktären Verhalten steckt kognitive Dissonanz. Diese zu erkennen, kann einem helfen, sich dem Konflikt gegenüber richtig zu verhalten, sei es ein innerer, ein zwischenmenschlicher oder ein kulturell-politisch-gesellschaftlicher Konflikt.

Im Persönlichen wird kognitive Dissonanz oft nicht als solcher erkannt, sondern als eigene Schwäche interpretiert. So geißelte sich der Mönch, wenn er dem Fleische erlag. Es gilt aber zu erkennen, dass es im Leben die eine Wahrheit und den einen Weg nicht gibt, und dass es innere Dissonanzen ein nützlicher Wegweise sind.

Wer mit einem anderen in Konflikt gerät, tut gut daran, sich die Frage nach der kognitiven Dissonanz im Gegner zu stellen. Man kann den Gegner so durchschauen und ihm entsprechend gegenübertreten. Natürlich sollte man auch seine eigenen Dissonanzen untersuchen – vielleicht stellt man ja fest, dass kein Angriff nötig ist, sondern nur ein Anpassung des eigenen inneren Konflikts.

Drittens empfiehlt es sich auch, bei gesellschaftlichen Phänomenen die kognitive Dissonanz zu suchen. So kann man manches, dass einem „wütend macht“ in ein anderes Licht rücken und sich entsprechend anders verhalten.

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