Flashback (wie man früher Hotels suchte)

Ich nahm ein Taxi nach Frederiksberg. Dort wartet der Schlüssel meines Airbnb unter einem Velosattel auf mich – so dachte ich. Unter dem Sattel des Fahrrads, von dem mir die Vermieterin eine Foto geschickt hatte, fand ich keinen Schlüssel. Auch alle anderen Sattelunterseiten tasteten meine Finger vergeblich ab. Die Vermieterin nahm das Telefon nicht ab. Ich konnte es nicht glauben.

Es war bereits Nacht. Es war kalt. Ich öffnete meinen Koffer, zog meinen Jackett aus und zog ein Sweatshirt über und eine Jacke an. Normalerweise würde mir so eine Situation nicht viel ausmachen – ich nehme mein Telefon, storniere das Airbnb und buche ein Hotel. Minuten später kommt ein Uber-Fahrer und bringt mich dahin. Früher was das einmal anders, als ich noch backpackte und als man sich noch mit dem Lonely Planet bewaffnet zu Fuß auf die Suche nach einer Unterkunft machen musste. Ich erinnere mich: Einmal gingen wir nachts durch Thiruvananthapuram und fanden keine Hotel mehr. Ein anderes Mal waren wir die letzten im Flughafen-Shuttlebus in New Orleans und der Fahrer wusste nicht, was er mit uns anstellen sollte. Aber die Zeiten, als man Hotels gehend und fragend suchte, sind lange vorbei. Trotzdem fühlte ich mich gestern Abend in diese alten Zeiten zurückversetzt. Vielleicht lag es an der Kälte, vielleicht daran, dass in Kopenhagen wegen eines Onkologie-Kongresses keine guten Hotels mehr zu haben waren, oder daran dass ich mir nicht erklären konnte, wieso der Schlüssel nicht aufzufinden war. Ich war müde und das Bier im Hilton hatte mir nicht gut getan. Gerade als ich das Airbnb aber stornieren und für ein paar hundert Euro ein zweit- oder drittklassiges Hotelzimmer buchen wollte, trat ein junger Mann aus der Tür des Wohnblocks. “Are you here for the Airbnb?”

Was war passiert? Die Freundin des Mannes – die Airbnb-Hostess – hatte sich sowohl mit ihrem Freund als auch mit mir schlecht abgesprochen. Er war noch in der Wohnung und meinte, ich würde klingeln, sollte der Schlüssel nicht unter dem Sattel stecken. Auf diese Idee war ich aber gar nicht gekommen, da ich davon ausging, dass die Vermieterin verreist war. Von einem später abreisenden Freund wusste ich nichts. Als ich nach Dreiviertelstunden in der Kälte in die Wohnung hochging, war der Flashback vorbei: Ich war ich einfach nur froh, dass die Lage sich doch noch zu meinen Gunsten gewendet hatte.

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