Madrid, 23. August 2016

Montag. Ferien. Carol ist für zwei Nächte weg, ein Onkel ist gestorben. Ich habe zwei wunderbare Tage mit Paul verbracht. Sowohl gestern wie heute fuhren wir nach Atocha und spazierten dann langsam zur Plaza de España (gestern) oder nach Opera (heute), von wo aus wir zurückfuhren. Dabei zwei eigentlich nicht weiter erwähnenswerte Erlebnisse. Es geht um Afrikaner.

Am Bahnhof Cuatro Vientos fragte ich einen jungen Afrikaner – sportlich angezogen, muskulös und mit Kopfhörern im Ohr – ob der einrollende Zug nach Atocha fahre. Er entschuldigte sich auf Englisch dafür, dass er kein Spanisch sprach. Im Zug unterhielten wir uns dann, bis er ein paar Stationen später wieder ausstieg. Wir sprachen vorwiegend über London, wo er, der aus Äquatorialguinea stammt, lebt. In Aluche verabschiedeten wir uns – er war unterwegs in den Gym. Wir schüttelten die Hände. Er hatte einen kräftigen Händedruck.

Stunden später tauchte ich bei der Oper wieder ins Untergrund-Netzwerk ab. Ich kauerte auf der Rolltreppe, um Paul zu erklären, was eine Oper ist, als ich spürte, dass hinter mir jemand wartete. Ich drehte mich um, sah einen Afrikaner (eindeutig aus Afrika stammend, nicht zum Beispiel aus Kuba) und wollte aufstehen. Er winkte lachend ab, machte Grimassen für Paul und verabschiedete sich unten angekommen fröhlich.

Keine außergewöhnlichen Ereignisse, aber Beispiel dafür, dass von vielen Afrikanern, eine ungewöhnliche, starke, positive Energie ausgeht. Ich spüre das immer wieder, auch bei den vielen Afrikanern, die vor jedem spanischen Supermarkt stehen. Man gibt ihnen Geld, aber „betteln“ ist das falsche Wort für ihren Broterwerb. Es käme mir nie in den Sinn, sie als Bettler zu bezeichnen. Nicht aus falscher politischer Korrektheit, sondern weil man sie für die  gute Energie bezahlt, die sie verbreiten. Auch nicht aus Mitleid – ich habe einmal ausgerechnet, dass sie vermutlich mehr verdienen als die Kassiererinnen. Medizinmänner.

Wie kommt es, dass die Heimat dieser Menschen der dramatisch, dunkle Kontinent ist? Dafür gibt es rassistische und und etwas differenzierte antikolonialistische Antworten, die mich aber beide nicht interessieren – die Wahrheit liegt tiefer. Afrika ist wohl der menschlichste Kontinent, im besten und im schlimmsten Sinne. Kein Wunder stammt der Homo Sapiens daher.

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

w

Connecting to %s