Trujillo, 6. August 2016

Trujillo liegt knapp 250km von Madrid entfernt. Auch mit einem Halt waren wir in weniger als drei Stunden am Ziel. Nachdem man die Agglomeration Madrid (la gran urbe) hinter sich gelassen hat, taucht auch schon die Grenztafel auf: Castilla La-Mancha, Provincia de Toledo. Mehr als eine Stunde lang geht die Fahrt durch flache Felder, dank Bewässerung auch im Sommer grün oder zumindest gelb-grün. Ich habe einmal gehört, dass auf die Erde Spaniens nur ein paar Tropfen Wasser zu fallen brauchen, schon sprieße es. Führt man sich vor Augen, dass Spanien der Fruchtgarten Europas ist, scheint dies wirklich so zu sein. Ich habe aber auch gelesen, dass die intensive Landwirtschaft der letzten Jahrzehnte sämtliche Nährstoffe aus der dünnen Erdschicht gespült habe … Wie dem auch sei: Rechts und links der A5 wird Nahrung für Europa produziert. Am nördlichen Horizont steht in der Augustluft flimmernd die Sierra de Gredos. Nähert man sich dann der Provinz Cáceres, wird die Landschaft hügeliger. Es geht steil hinauf und hinunter. Schleich- und Bremsspuren beginnen auf der Autobahn aufzutauchen. Irgendwann sieht man am Horizont einen spitzen Berg. Auf einem Hügel taucht die Burg von Trujillo auf, dem Heimatdorf mehrerer Eroberer, unter anderem von Pizarro, Bezwinger der Inkas.

Wir haben Cristina und Diego im Februar vor vier Jahren das letzte Mal hier besucht, damals noch ohne Paul. Lucía war noch ein kleines Baby. Ich erinnere mich anausführliche handschriftliche Notizen. Ich weiß nicht mehr ob es dabei um Trujillo oder um Anderes ging. Wenn ich wieder in Alcorcón bin, werde ich diese heraussuchen und nochmals durchlesen. Ich werde sie abtippen: Ein erster Schritt zur Verarbeitung vergangener Notizen.

Gestern fuhren wir nach der Siesta ins fünfzig Kilometer entfernte Cáceres. Eine neue, kaum befahrene Autobahn führt auf direktem Weg dorthin. Wie man es in spanischen Provinzstädten oft sieht, ist das Jahrhunderte alte Zentrum umgeben von einer dicken Schicht großer Wohnblöcken. Der Übergang von der neuen in die alte Stadt ist abrupt. Im Rücken ein Kreisel und ein Supermarkt, vor einem ein Stück Geschichte. Das Zentrum von Cáceres hat sich vor langer Zeit über eine hügelige Landschaft ausgebreitet. Geht man durch die schmalen Gassen die Stufen hoch und runter und über versteckte kleine Plätze wähnt man sich im Inneren einer riesigen Burganlage. Viele Mauern, auch die Kirchen, sind aus massiven Steinklötzen gebaut. Auf einer von ihnen hockt ein Pfau mit drei Federn. Man sieht Touristen, aber sie haben die Stadt nicht unter sich begraben, wie zum Beispiel in Toledo oder Segovia, welche von Madrid aus in Tagesauflügen zu erreichen sind. In Cáceres landet nur, wer bewusst die spanischen Provinzen bereist, oder Studenten der Geschichte, welche sich auf die Spuren der Conquistadores machen.

Wir aßen auf einem großen Platz zu Abend. Wie alle „großen Plätze“ historischer Städte ist er von Restaurants gekrönt, deren kleinen Tische die Ränder des Platzes wie ein Ausschlag bedecken. Im Gegensatz zum Essen in am Tourismus erkrankten Städten, war das Essen auf dieser Plaza Mayor in Ordnung und preiswert; die Morcilla und die Croquettas waren durchschnittlich, die Migas Extremeñas (altes Brot mit Chorizo, Pepperoni, Ei und allerlei Gewürzen im Olivenöl und Fett von Fleischresten gebraten) waren sehr gut. Paul rannte über den ganzen Platz. Manchmal musste ich aufstehen, damit er nicht in irgendeiner Gasse verschwand.

Heute morgen, als unsere Gastgeber noch schliefen, tranken wir auf einer Terrasse Kaffee (Paul Milch) und aßen Porras, die hier Churros Gordos heißen, kleiner sind als die Madrider Porras dafür aber teigiger. Sie schmecken ein wenig anders aber sehr gut. Nachher fuhren wir eine knappe Stunde lang durch ein einmalige Landschaft, bestehend aus mit unzähligen Eichen gespickten landwirtschaftlich genutzten Feldern. Die Schweine, für welche diese Gegend berühmt ist, waren aber nicht zu sehen. Sie sind dunkel und ernähren sich von den Eicheln, ihr Jamón heißt deshalb „Pellotas“ (Eicheln) und gehört zu den Besten. Nachdem es vierzig Minuten lang geradeaus durch diese archaische Eichenlandschaft gegangen war, wurde die Straße plötzlich schmal und kletterte einen Berg hoch ins Naturparadies Monfragüe.

Dem bereits erstaunlich breiten und kräftigen Río Tajo entlang, welcher 300km weiter in Lissabon als Tejo ins Meer mündet, ziehen sich Wälder und steile Felswände. Am Himmel kreisen Dutzende von Geiern. Die Straße liegt manchmal hoch und manchmal knapp über dem Fluss im Fels. Ab und zu kann man parken, die Geier beobachten, oder zum Tajo hinuntersteigen, wo man schattige Rastplätze findet. An einem solchen packten wir Fleisch, Käse, Brot und Melone aus und aßen zMittag. Im Frühling oder Herbst könnte man von hier aus ins Innere des Nationalparks vordringen, aber im Sommer ist man auf den Schatten am Flussrand angewiesen. Und sogar hier trifft man nur wenige Besucher – August in Spanien: Küste, Piscina oder zuhause bleiben, erst nach Sonnenuntergang traut man sich auf die Straße. Trotz Klimaanlage im Auto schwitzend, fuhren wir nach Hause. Paul war enttäuscht, weil wir außer den Geiern keine Tiere zu Gesicht bekamen, obwohl ich ihm bei der Anfahrt von den Tieren im Park erzählt hatte. Ich erklärte ihm, dass diese sich versteckt gehalten und uns beobachtet hätten, sich aber nicht hätten blicken lassen, da wir Menschen ihnen zu laut und unberechenbar wären. Er war mit der Erklärung zufrieden.

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