Gossau, 23. Mai 2016

Das Dilemma des Optimisten

Ich bin ein Optimist, ein glücklicher Mensch (glücklich im Sinne von happy und auch von lucky). Außerdem glaube ich an die Erschaffung (oder zumindest Gestaltung) der äußeren Welt über das Innere. Fokus schafft Wirklichkeit etc. Das ist die eine Seite.

Andererseits bin ich aber auch ein Beobachter der Realität und mache mir Gedanken über die Zukunft der Welt, vor allem unserer Welt, der westlichen Zivilisation, und als solcher empfinde ich weniger Optimismus. Es rumort, aber ich bin kein doomsayer. Ich bin mir bewusst: The jury is still out.

Doch das Negative muss erwähnt werden: die schleichende Unterwanderung unserer freiheitlichen Gesellschaft durch Einwanderung aus nicht-freiheitlichen Kulturen (die Frage: toleriert man Intoleranz?); die Zerstörung der Umwelt, vor allem der Klimawandel (alle Alarmdaten fallen in meine Lebenszeit oder zumindest die Lebenszeit meines Sohnes, so z.B. das Sterben der Ozeane); die Aushöhlung der Demokratie durch überstaatliche Gebilde (corporations); die Verdummung der Gesellschaft durch Konsumismus; the rise of AI; etc.

Vieles gibt zu Sorge Anlass. Ich habe den schleichenden Zerfall unserer Gesellschaft an den Anfang gestellt, obwohl er ein Tabuthema ist. Aber natürlich bin ich mir bewusst, dass ich mir vielleicht unnötig Sorgen mache; es mag sein, dass die Verwandlung des Westens in einen multikulturellen und multireligiösen Ameisenhaufen nicht nur unaufhaltsam, sondern mittelfristig sogar gewünscht ist, Thilo Sarrazin und Sam Harris zum Trotz. Die negativen Nebeneffekte der Masseneinwanderung mögen nur Stolpersteinchen auf dem Weg zur Weltgesellschaft sein. Vielleicht kann sich ein Land über Kulturen und Religionen hinweg als Einheit definieren, auch im Europa der (noch) Nationalstaaten. Die USA werden als Beispiel genannt, doch auch dort lehnt sich die immer kleiner werdende noch-Mehrheitskultur des weißen, größtenteils angelsächsischen Amerikas gegen ihr bevorstehendes Abtauchen in den Bienenhaufen auf – Stichwort: Donald.

Zumindest dies wissen wir sicher: Es gibt keinen Weg zurück; die Veränderung ist hier; wartet an der Grenze.

Das Eigenmann-Treffen

Es fand im Pfadiheim beim Buchenwald statt. Ein schöner Ort, gleich unter dem Wald gelegen. Ein schöner Tag auch, ungewöhnlich warm – oder wie für den Mai einmal ungewöhnlich gewesen wäre; unterdessen sind „heißeste Tage seit Beginn der Messung“ die Norm.

In bin geboren und aufgewachsen im besten Land, in der besten Zeit. Mein Vater hatte das seinen Brüdern gegenüber erwähnt – und natürlich hat er Recht: Es ist eine Tatsache, so unwahrscheinlich wie ein Sechser im Lotto und trotzdem hat es uns alle getroffen.

Beides, Zeit und Land, steuern auf Veränderungen zu. Man befürchtet, dass dieses „Beste“ vielleicht nicht mehr lange wähnt. Eigentlich weiß man es, denn alle Bewegung ist wellenförmig. Aber unsere Befürchtungen finden auf höchstem Niveau statt. Gestern gab es Bier und Wein, Gegrilltes und Brot, Kaffee und Kuchen. Helvetisch temperierte Gespräche unter Verwandten bei Tisch. Noch ist alles beim Alten, auch wenn die sechs Geschwister älter werden. Die Zustände sind nach wie vor paradiesisch und ein Ende ist trotz der Gerüchte über den weiteren Verlauf des Flusses nicht abzusehen.

Die Familie Eigenmann: Sechs Geschwister. Die Mutter (meine Omi) katholisch, der Vater (mein Opa) hatte als erster Elektriker im Dorf Geld verdient. Man wohnte in einem Familienhaus wie es sich gehörte. Ein ledige Tante wohnte mit im Haus, kümmerte sich um die Kinder. Die Schwestern haben gut geheiratet: Ein Arzt, ein Ökonom, ein Läufer und Abenteurer und selbständiger Elektriker. Die Brüder haben das Geschäft erfolgreich weitergeführt und zur Blüte gebracht. Skandale gab es nie in der Familie, nicht einmal Skandälchen. Krankheit ja: Krebs und schlechte Augen.

Wir sind die one percent. Und: To whom much is given, much is required. Was tue ich? Erfülle ich schreibend meine Pflicht? Ja, allerdings nur wenn ich es konzentriert und diszipliniert tue.

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