Psychogeografie

Gestern schrieb ich, dass es, nach drei Monaten Willkür, auf diesem Blog nun vorläufig vor allem um psychogeografische Ermittlungen in der Metropolis M50 (also in Madrid – eine Erklärung dazu folgt in einem zukünftigen Beitrag) gehe.

Was aber ist die Psychogeografie?

Ich überlasse es der Leserin, den Begriff zu googlen. Der englische Wikipedia-Beitrag ist ein guter Startpunkt; der deutsche Beitrag ist weniger ausführlich, was ein Zeichen dafür ist, dass man den Begriff in der deutschen Literatur kaum antrifft. In Großbritannien hingegen wird er  in gewissen Kreisen oft und gerne diskutiert. In diesen “gewissen Kreisen” trifft man auf Autoren, Leser, Stadtwanderer, Geografen und Künstler bei welchen Landschaft, vor allem von Menschen veränderte und gestaltete Landschaft, eine große Rolle spielt. Ich werde in den nächsten Wochen einige psychogeografische Autoren und Bücher vorstellen. (Im Voraus sei nur dies gesagt: Interessanterweise ist einer der wichtigsten Psychogeografen überhaupt ein in Deutschland kaum geschätzter, in England hingegen hochverehrter deutscher Schriftsteller namens W.G. Sebald).

Trotz dieses verbindenden Elements der Landschaft ist die Psychogeografie weit davon entfernt, ein Genre zu sein; vielmehr handelt es sich bei ihr um einen gewisse Werke, Ermittlungen und Projekte durchziehenden Unterton. Gemeinsam ist diesen die Suche nach dem Inneren (Psyche) im Äußeren (Geographie). Die durchstreifte Geographie – seien es Stadtlandschaften oder beim Langstreckenwanderer auch ganze Länder und Kontinente – wird zur Leinwand des Geistes- und Seelenlebens des (fast immer) einsam Spaziergängers oder Wanderers.

Weshalb dem so sein soll, definiert jede Künstlerin für sich selbst – so sie sich überhaupt auf die Psychogeografie beruft, den oft geschieht diese unbewusst. Ein Ausgangspunkt zum Verständnis dieser Erkundung der inneren Welt durch eine umherstreifendes Eintauchen in die äußere Welt, liegt für mich darin, dass wir die Welt nie direkt erfahren, sondern immer nur als das subjektive Bild, welches das von den Sinnen stimulierte Gehirn schafft und uns als die Wirklichkeit präsentiert. Sucht der Wanderer nun in der Landschaft nicht nach einer bestimmten Erkenntnis, sondern lässt er sich treiben, bietet sich dem Gehirn Gelegenheit, die empfangenen Sinneseindrücke zum Abbilden innerer Vorgänge zu verwenden. In diesem Sinne gleicht das psychogeografische Ermitteln einer psychadelischen Erfahrung: das Innere wird wird ins Äußere projiziert. (Angesichts dieser Überlegungen, überrascht diese Buchdeckelbild eines bekannten psychogeografischen Werks nicht:)

Walking to Hollywood – Will Self

Ich bin mir bewusst, dass sich diese Ausführungen für manche wässrig-esoterisch anhören mögen, während sie anderen nicht weit genug gehen und die Mystik der Psychogeografie rational zu erklären versuchen. Aber wie gesagt, ist die Psychogegrafie weder Wissenschaft noch Weg, sondern im besten Fall ein Hilfsmittel, um die Welt und sich selbst zu erkunden.

Ich werde in den nächsten Tagen und Wochen mehr darüber schreiben und auch erklären, weshalb  ich zur Zeit ganz persönlich an ihr interessiert bin – und was es mit der Metropolis M50 auf sich hat.

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