Dogma

Seit gestern Abend lese ich Emmanuel Carrère’s “Das Reich Gottes“. Hervorragend, eine echte Entdeckung. Zumindest für mich – in Frankreich soll er ein ganz Großer sein.

Ich liebe persönliche Non-Fiction, in welcher sich der Autor in fast existentialistischer Weise ins Objekt der Erkundung stürzt.

Carrère war in seinen Dreißigern während einigen Jahren Katholik, oder versuchte es zumindest zu sein.

Ein paar Notizen zu Dogma:

Natürlich ist jedes Dogma – philosophisch, religiös, politisch, etc. – menschgemacht. Somit kann es nicht die Wahrheit sein. Somit ist jedes Dogma falsch, zumindest teilweise.Und außerdem: Immer wenn die Hüter eines Dogmas an der Macht sind, werden sie zu Tyrannen.

Die logische Schlussfolgerung wäre also: Jedes Dogma ablehnen, Rosinen herauspicken, die (nicht absolut wahre aber doch eine funktionierende) Wahrheit für sich selbst entdecken. Das Zeitalter des Individualismus also.

Die Crux dabei ist, dass die meisten Menschen heute glauben Individualisten zu sein, es aber nicht sind, denn sie verschreiben sich einfach einem von tausend Dogmas (auf Youtube gehört, etc.), statt dem einen, dem sich früher alle unterwarfen.

Ein anderer Weg ist aber: Das Dogma als Sparringpartner sehen. Somit Verhaltensdisziplin an den Tag legen (orthodox dem Dogma folgen, zumindest in seinem Tun), im Denken aber mit dem Dogma ringen, wie mit einem Sparringpartner eben.

So kommt es, dass man manchmal dogmatischen Anhängern eines System begegnet, welche in ihrem Denken Freier sind, als sogenannte Freidenker.

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