Halbmarathon

Kurz nach sieben gehe ich auf die Metro. Ich bin nicht der Einzige. An jedem Bahnhof kommen mehr Läufer hinzu. Als wir bei Atocha aussteigen, geht gerade die Sonne über Madrid auf.

Im El Brillante, einer alten Bar in welcher die Kellner noch Uniform tragen, trinke ich erst Mal einen Espresso. Hier isst man üblicherweise Bocadillos mit Calamares, aber an diesem Sonntagmorgen gegen acht Uhr besteht das Publikum ungefähr hälftig aus Läufern (die wie ich alle Espresso trinken) und Nachtschwärmern, welche vor der Heimfahrt heiße Schokolade trinken und dazu Churros essen. Darunter sind nicht wenige Paare, die sich in der Nacht kennengelernt haben. Obwohl ich Porridge mit Banane frühstückte, habe ich wieder Hunger (oder Angst davor, während des Laufes nicht genug Energie zu haben) und kaufe mir auf dem Weg zum Start noch einen Donut bei Dunkin’.

Der Lauf verläuft problemlos. Ab Kilometer 18 spüre ich zwar, dass meine Beine müde werden (ich bin vorher noch nie mehr als 15 Kilometer gelaufen), aber ansonsten (Herz, Atem, Wille weiterzulaufen, etc.) geht es mir hervorragend. Ich hätte schneller laufen können; ich könnte weiter laufen. Die doppelte Distanz traue ich mir aber noch nicht zu. Allerdings ist das schwierig einzuschätzen; natürlich mag man sich kurz vor dem Ziel, nicht mit dem spontanen Gedanken anfreunden, eine zweite 21-Kilometer-Runde zu laufen.

Es fällt mir auch auf, dass ich bis ungefähr Kilometer 18 kaum auf die Kilometeranzeigen achte; ich ertappe mich nie dabei, zu hoffen, endlich anzukommen. Im Gegenteil, ich genieße den Lauf durchs Stadtzentrum, hoch zur Plaza Castilla und dann durch Salamanca zurück zum Retiro. Meine Beine werden erst müde, als das Ende in Sicht ist und ich auf die nächste Kilometeranzeige zu warten beginnen.

Dieses Jahr hoffe ich noch einen oder zwei Halbmarathone zu absolvieren; nächstes Jahr werde ich meinen ersten Marathon laufen.

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