Semana Santa

Karfreitag:

Wir fahren in ein Dorf, in dem Freunde wohnen, nach Pedro Bernardo in der Sierra de Gredos. Die Ausfahrt aus Madrid ist kompliziert, man wechselt hundert Mal die Autobahn bis man endlich auf der CL-501 ist, welche direkt zur Südflanke der Sierra führt, der Grenze zwischen den Provinzen Toledo und Segovia entlang, am Anfang noch vierspurig, dann nur noch zweispurig mit Gegenverkehr. Wir durchqueren ein paar Dörfer wie z.B. Piedralaves, wo sich der Verkehr staut und sind in knapp zwei Stunden in Pedro Bernardo, welches am Berg liegt, etwa drei Kilometer über dem Tal.

Hier essen wir in der Finca des Glaskünstlers Javier Gomez zMittag. Fließendes Wasser, aber kein Strom.

El ronquillo: Wenn man sich von Berg zu Berg etwas zuruft, der eine Schafhirt dem anderen. Deshalb soll das Dorf so heißen: Einer namens Pedro soll oft per ronquillo mit einem anderen namens Bernardo kommuniziert haben.

Der Künstler hat uns diese Skulptur geschenkt. Sie gefällt mir, weil sie mich an Primaten und Außerirdische erinnert:

P.B. ist in den Hang hinein gebaut. Ein Straße liegt über der anderen. Betritt man das Haus von der oberen Straße im Erdgeschoss und steigt dann die Treppe in den Keller hinunter, ist man immer noch im Erdgeschoss, jetzt aber an der unteren Straße. Die Straßen sind durch Treppen und steile Gassen verbunden. Die Häuser sind dicht aneinander gebaut. In manche Gassen dringt kaum Sonnenlicht; sie sind mehr Tunnel als Straße. Wenn es am Berg über dem Dorf noch hell ist, herrscht in vielen Gassen bereits Nacht.

Samstag:

Am Samstagmorgen kurz nach acht sitze ich in einer Bar. Die Bar heißt El Tietar. Ich trinke meinen ersten Kaffee nach der Fastenzeit, meinen Osterkaffee. Ein schöner, dunkler Café con Leche aus dem Glas. In der Bar sitzen drei alte Männer und unterhalten sich in merkwürdigem Pueblo-Slang mit dem Wirt. Sie besprechen irgendetwas das “auf dem Berg” passiert ist. Wildschweine haben etwas gemacht, das sie nicht sollten. Vor der Bar stehen vier junge Männer, welche aussehen und sich verhalten, als hätten sie die Nacht lang durchgesoffen. Keine Teenager mehr, vielleicht schon in ihren Dreißigern. Sie grölen als ein Lieferwagen vorbeirast. Ich weiß nicht, ob sie im Dorf wohnen; wohl eher wohnen sie in Madrid, gehören aber zum Dorf, da ihre Eltern oder Großeltern von hier stammen.

Sonntag:

Wieder in Madrid. Mit J., P. und H. im Matadero. Ein Markt mit lokalen und Bioprodukten. Wie immer, wenn ich auf einem solchen Food Market bin, nimmt ein Dämon von mir Besitz, welcher sich noch in den frühen Jahren der menschlichen Evolution wähnt. Er zwingt mich dazu, die Chance zu essen, nicht ungenutzt vorbeiziehen zu lassen. Ich kaufe an jedem Stand etwas. Dazu kommt, dass P. Bier und Wermut kauft.

Dann gehen wir – wegen den beiden Kleinen Schneckentempo – dem Fluss entlang. Es ist Frühling. P. und H. plantschen am Wasser. Andere Eltern schauen uns an, als seien wir Rabeneltern, welche ihre Kinder im März barfuß herumrennen lassen. Zumal P. schon wieder Bier gekauft hat.

 

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