Heuschrecken aus der Sahara

Nach dem Mittagessen fuhren wir 140 Kilometer in den Süden der Provinz Toledo. Wir entschieden uns für die parallel zur regulären A4 verlaufende Maut-Autbahn. Wir hatten die Straße fast für uns selbst. Der Wind blies so stark über die weiten Ebenen der La Mancha, dass ich das Lenkrad an manchen Stellen mit beiden Händen umklammerte, um nicht von der Straße gefegt zu werden – so zumindest fühlte es sich an.

Vom Dorf El Toboso – wo wir das Wochenende in einer Casa Rural mit fünf befreundeten Familien verbringen – habe ich noch nicht viel gesehen, nennenswert ist einzig eine riesige, von einem Sandsturm aus der Sahara nach Spanien getragene Heuschrecke. Zuerst wollte ich es nicht glauben, aber diese Heuschrecken sollen tatsächlich aus Nordafrika stammen. In Albacete, ungefähr von 150 Kilometer von hier, wo zwei unserer, hier das Wochenende verbringende Freund, wohnen, hatte es letzte Woche Sand geregnet. Der Regen, von dem man erwarten würde, dass er reinigt, hinterließ eine dicke Sandspur auf den Straßen.

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El Toboso liegt in einer flachen, trockenen Landschaft. Der Besitzer des Hauses, in welchem wir zwei Nächte verbringen, hat uns gesagt, dass hier vorwiegend Wein angebaut wird (ich habe mir bereits eine Flasche davon im Dorfladen gekauft). Die Straßen des Dorfes sind leer. Es gibt kaum Verkehrshinweise, Seitenlinien, oder Fußgängerstreifen; es ist als seien die Straßen einfach der zwischen den Häusern frei gebliebene Platz. Es ist trotz der Sonne und des Südwindes kalt. Die Häuser sind verschlossen. Die aus Plastikstreifen oder dicken Schnüren bestehenden Vorhänge vor den Eingangstüren der Häuser, die im Sommer wenn die Türen offen bleiben vermutlich als Sicht- und auch Insektenschutz dienen, flattern nutzlos im Wind.

In diesem Dorf soll die Freundin des tragischsten Helden der Literatur gewohnt haben, dieses typischen Spaniers, der aber auch das menschliche Schicksal überhaupt repräsentiert: Don Quijote. Ich schreibe dies, ohne dieses Meisterwerk der Weltliteratur gelesen zu haben. Aber je länger ich in Spanien wohne, desto mehr Lust habe ich, mich in dieses Buch zu vertiefen. Morgen werde ich mir das Haus anschauen, indem die Dame gelebt haben soll. Natürlich war sie eine Figur der Fiktion – ich weiß nicht ob Cervantes aber eine tatsächlich existierende Frau in einem bestimmten Haus beschrieben hat, oder ob man einfach irgendein Haus im Dorf in ein Museum verwandelte, weil Cervantes das Dorf eben im Buch erwähnte. Morgen werde ich herausfinden.

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