Die Demokratie multinationaler Unternehmen

Ich habe den ganzen Tag im Mikrokosmos multinationaler Unternehmen verbracht. Gemäß der Fitbit-Uhr meines Geschäftspartner haben wir insgesamt 14 Kilometer in den Hallen der Messe Barcelona zurückgelegt.

Multinationale Unternehmen sind seltsame Organismen. Auf der einen Seite repräsentieren sie für viele Menschen alles, was in unserem kapitalistischen System falsch läuft. Nicht grundlos sind sie zu einem beliebten Bösewicht in den populären Mythen unserer Zeit geworden (üblicherweise verkörpert durch Alec Baldwin).

Auf der anderen Seite aber sind multinationale Unternehmen auch zu einer Art Staat geworden. Den in ihnen arbeitenden Menschen bieten sie Sicherheit und “ein gutes Leben” als Entschädigung für die Zurverfügungstellung der besten Stunden jeden Tages und der besten Jahre des Lebens. Sie sind in einem gewissen Sinne auch demokratische Organisationen, welche viel schneller auf gesellschaftliche Veränderungen reagieren, als politische und staatliche Organisationen. Schaut man sich zum Beispiel die amerikanischen Volksvertretungen und die US-Regierung an, repräsentieren diese die demographische Realität des Landes auf keine Weise. Die großen neuen amerikanischen Unternehmen hingegen – Amazon, Apple, Facebook, Microsoft und Google – sind Demokratien, im Sinne, dass ihre Angestellten aus der ganzen Welt, ohne Blick auf Herkunft oder Rasse rekrutiert werden. Sie sind wohl die meritokratischsten Organisationen der Welt.

Natürlich sind diese Unternehmen auch auf extreme Art und Weise politisch korrekt. Persönliches, Politisches, Religiöses kann und darf in ihrem Umfeld nicht diskutiert werden. Menschen mit extremen Meinungen haben zu ihnen keinen Zutritt – oder nur wenn sie mit diesen hinter den Berg halten. Die Kehrseite dieser Korrektheit ist, dass sich enorme Langeweile in ihren Hochglanzbüros ausbreitet.

Ich kann mir eine Zukunft vorstellen, in welcher multinationale Unternehmen den Unterbau für ein freies, sicheres Leben bieten, welche uns heute noch der Staat verspricht. Es wird eine schöne, neue Welt sein, in welcher man im öffentlichen Raum nur unternehmensdienliche Ideen diskutieren darf, welche dafür aber jedem offen steht, welcher zum Gewinn der Einheit beizutragen fähig ist. Ein wahrhaft dystopische Utopie.

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