Rette sich, wer kann

Heute las ich im ABC, einer spanischen Tageszeitung, dass irgendeine Behörde schätzt, dass die Spanier so und so viele hundert Millionen von Euro vor dem Fiskus verstecken. Darunter stand geschrieben, dass die Korruption von Jahr zu Jahr zunehme.

Zur Zeit fällt gerade der Partido Popular, Spaniens bürgerliche Rechtspartei, welcher der Mief vergehender Zeiten – sterbende Stiere, zeternde Priester und vielleicht sogar noch ein kleines bisschen Franco – anhängt. Ein Popular nach dem anderen wird festgenommen; zuerst vorwiegend aus der Lokalpolitik, aber vor kurzem stattete die Guardia Civil auch dem Hauptsitz des PP einen Besuch ab.

Um die PSOE, die “sozialistische Arbeiterpartei”, ist es, was die Korruption anbetrifft, zur Zeit recht ruhig. Ihr Präsident (und vielleicht bald auch Regierungspräsident), Pedro Sanchez, scheint ein seriöser Mann zu sein, aber die in den ersten Jahrzehnten nach der Diktatur aufgebauten mafiösen Strukturen sind latent noch vorhanden. Ab und zu hört man, wie hier oder dort ein sozialistischer Bürgermeister festgenommen wird.

Sogar die neue Antisystempartei Podemos (welche von einem großen Teil der Bevölkerung allerdings nicht als solche, sondern einfach als Protestpartei wahrgenommen wird) hat bereits ihre eigenen, kleinen Korruptionsfällchen. Oder nein, ich korrigiere mich: Korruption ist der falsche Ausdruck, auch in der Verkleinerungsform nicht fair. Einer der Podemos-Führer bezieht ein Gehalt, ohne dafür viel zu tun, ein Anderer soll “von Venezuela bezahlt worden sein”. Aber solche Aussagen sind, angesichts des von Angst befeuerten Hasses, welcher der Neuen Linken von bürgerlicher Seite entgegenschlägt, mit Vorsicht zu genießen. Lassen wir sie erst einmal gewähren.

Veränderung liegt in der Luft. In Spanien, in Europa, in der Welt.

Es kommt mir manchmal vor, als wolle jeder – vom Politiker der eine Million in einem Koffer im Schrank des Schwiegervaters versteckt (wie kürzlich in Spanien geschehen), bis zum kleinen Steuerhinterzieher – retten wolle, was er kann, bevor die sich aufbauende Welle über die Welt hineinbricht.

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