Muy amable

In einer typischen Madrider Bar (sprich in einer Mischung aus Café und Kneipe – einem Lokal, in dem man, meist an der Theke stehend, morgens einen Kaffee und Abends ein Bier trinkt) sind die Kellner im Normalfall nicht sehr freundlich.

Gestern morgen trank ich meinen café solo (Espresso) in der Bar neben der Bibliothek, in der ich am Vormittag schreibe. Die junge Dame hinter der Theke stellte ihn mir wortlos und ohne Augenkontakt vor die Nase, während sie mit leicht angehobenem Kinn bereits den nächsten Gast zur Bestellungsabgabe aufforderte. Obwohl ich mich diese kratzbürstige Art gewohnt bin, wollte ich ein sarkastisches muy amable (sehr freundlich) murmeln – als mir einfiel, dass ich kein Geld dabei hatte. Die Kellnerin hatte ich noch nie vorher gesehen, was hieß, dass ich nicht darauf zählen konnte, dass sie mich als Stammgast erkannte. Ich teilte ihr mein Dilemma mit, worauf sie plötzlich ihre Stimme fand, mir ein “das macht doch nichts” entgegen warf und mich sofort wieder vergaß, um einem anderen Gast heiße Milch ins halb-gefüllte Kaffeeglas zu schenken.

Eine Minute später, als ich den Kaffee ausgetrunken hatte, ging ich nochmals zu ihr hin und sagte: “danke, ich zahle morgen früh!”, worauf sie mir zulachte: Claro, cariño! (Natürlich, mein Liebster!)

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