Am Sonntag nichts Neues

In Stefan Zweigs “Die Welt von Gestern” warten nur noch etwas mehr als hundert Seiten auf mich; es wird Zeit, mich um neuen Lesestoff zu kümmern, vor allem auch weil ein Wochenende in einer Casa Rural ansteht. (Mit mindestens einem Dutzend Freunden in “ein Landhaus fahren” ist in Spanien ein beliebtes Wochenend-Vergüngen. Wir werden mit Kindern mehr als 25 sein …)

Es wird Zeit, wieder einmal einen amerikanischen Roman zu lesen. Ich habe mich für “The Moviegoer” von Walker Percy entschieden. (“Der Kinogeher“, von Peter Handke ins Deutsche übersetzt, wie ich gerade sehe.)

Ich bin mit Walker Percy nicht vertraut, bin aber in letzter Zeit beim Online-Lesen einige Male auf ihn gestoßen. Der Kipppunkt war erreicht, als ich ihm auch auf Ryan Holidays Reading List begegnet bin.

Deutsch vs. Englisch

Deutsch ist meine Sprache, Englisch die Sprache der Welt.

Wer auf Deutsch schreibt, kommuniziert mit einem Volk, wer auf Englisch schreibt, beteiligt sich an der Großen Weltdiskussion.

Obwohl ehrgeizige Eltern ihre Kinder Chinesisch büffeln lassen, glaube ich, dass dies vergebliche Müh ist: Englisch ist die Sprache der Zukunft – auch wenn China die ganze Bay Area als Eins-zu-Eins-Kopie aus dem Boden stampfen, Großbritannien die EU verlassen und Trump Präsident werden sollte.

Ich blogge auf Deutsch, weil ich auf Deutsch schreibe, weil meine Muttersprache die einzige ist, auf welche ich Romane schreiben kann und will.

Mein Twitter und mein Instagram sind auf Englisch, weil ich an der Großen Weltdiskussion teilnehmen will. Mein Facebook leitet alle drei Kanäle in einen.

26.02.2016

  1. Die meisten Menschen die nicht nur im Januar sondern auch noch im Februar am frühen Morgen im Gym trainieren, sind erstaunlich gut drauf. Früh aufstehen macht glücklich.
  2. Das perfekte Frühstück: Zwei Spiegeleier auf einem ganzen, geviertelten Avocado; dazu ein green shake, zum Beispiel so: Kohl, Spinat, eine Karotte und ein paar Erdbeeren mit einem Glas Wasser in den Mixer.
  3. Ich liebe the rain in Spain. Die Felder um Madrid sind grün, der Himmel den größten holländischen Malern würdig.
  4. Es zeichnet sich ein Regierungspakt zwischen den Sozialisten und der neuen Mittepartei Ciudanos ab; allerdings verfügen sie über keine Mehrheit. Der traditionalistisch-konservative Partido Popular (die noch-Regierungspartei) wird den Pakt ablehnen, aus Angst davor, dass ihre bereits angeschlagene Partei ganz unter der Korruption in den eigenen Reihen zusammenbrechen wird, wenn die Korruptionsbekämpfung von der neuen Regierung Rückenwind kriegt; die Antikapitalisten von Podemos sind einfach wütend darauf, dass sich die Sozialisten der Mitte zuwenden, anstatt in Podemos populistischen Schatten zu treten. Links und Rechts werden die Mitte verhindern. Es wird zu Neuwahlen kommen.
  5. Ich liebe den Regen mehr als die Sonne. Ich liebe es in der Bibliothek zu sitzen, wenn es regnet.
  6. Mein Zweijähriger ist besessen von falsch geparkten Autos. Er ruft lautstark nach der Polizei, wenn er eins sieht (also ungefähr alle zehn Meter).
  7. Ich liebe es, den Regen im Innenhof zu hören, während ich diesen Blogeintrag schreibe.

25.02.2016

Nach drei Tagen am MWC bin ich wieder zurück in meiner Routine. Allerdings bin ich gestern Morgen weder gelaufen, noch war ich im Gym, da ich die Morgenstunden nutzte, um Einiges nachzuholen, für das ich sonst kaum Zeit finde (Rechnungen schreiben, Emails beantworten, für den Buchhalter die Reisekosten zusammenstellen, usw.).

Danach wie immer: Mit Paul in den Chindsgi (Kindergarten) gefahren, in der Bibliothek drei Stunden erfolglos geschrieben. Ich hatte mich fünf Tage lang (Wochenende und MWC) nicht mit meinem Roman beschäftigt, was bedeutete, dass ich, während ich am vergangen Freitag noch ewig hätte weiterschreiben können, gestern den Einstieg nur schwer wieder fand. Danach Mittagessen, Arbeit. Ich habe mit zwei Kunden über zwei neue Projekte gesprochen. Im einen geht es um Antibiotika. Erschreckend, wie vor allem in den südlichen Ländern, also auch hier in Spanien, diese so oft missbraucht oder falsch eingesetzt werden, dass Antibiotika-resistente Bakterien zu einer echten Gefahr geworden sind. Auch die Fleischindustrie flächenbombadiert ihre Produkte (Tiere) mit Antibiotika.

Am Abend mochte ich nicht einmal mehr lesen. Ich schlief neben Paul und wechselte gegen Mitternacht das Bett. Heute Morgen läutete der Wecker um fünf Uhr. Ich blieb zu lange liegen. Erst gegen sechs Uhr dreißig war ich im Gym.

Arbeitende Künstler

In einem Gespräch habe ich einmal folgendes gehört: Jener Maler sei kein wahrer Künstler, weil er sich nicht voll der Kunst verschrieben habe und sich seinen Lebensunterhalt mit diesem oder jenem verdiene.

Andere Künstler leben von Subventionen.

Bei Stefan Zweig (“Die Welt von Gestern“) las ich heute von den Schriftstellern, Malern und Musikern, mit welchen er vor dem Ersten Weltkrieg in Paris verkehrte. Alle gingen einer Arbeit nach und kümmerten sich Jahre und Jahrzehnte lang mehr um ihre Kunst, als um den Erfolg.

Äußerlich war die Existenz dieser Impressionisten [Renoir und seine Schüler], deren Werke man heute mit zehntausenden von Dollars bezahlt, in nichts zu unterscheiden von der des Kleinbürgers und Rentners …

… keiner hatte die Prätention wie ihre Nachfahren, die, vom Film und hohen Auflagen verdorben, auf eine erste künstlerische Neigung hin sofort selbstherrlich eine Existenz zu gründen versuchen …

Still zu leben, still zu arbeiten für einen stillen Kreis jenseits der ‘foire sur la place’ war für sie wichtiger als sich vorzudrängen, und sie schämten sich nicht, kleinbürgerlich und eng zu leben um dafür im Künstlerischen frei und kühn zu denken.

Mich beeindrucken arbeitende Künstler, mehr als subventionierte, und in einem gewissen Sinne sogar mehr als “erfolgreiche”, welche von ihrer Kunst leben. Wird die Kunst nicht unfrei, wenn sie gefallen muss?