Zu Ende lesen oder tschüss und hallo nächstes Buch?

Ich habe mir gestern die Frage gestellt, ob es sich lohnt, ein Buch, das mir eigentlich gefällt, aber trotzdem ein wenig zu langweilen beginnt, fertig zu lesen, oder ob ich mit dem nächsten Buch, das bestimmt bereits bereit liegt, beginnen soll.

Ich bin zur Zeit gerade in dieser Situation: Ich habe Leonardo Paduras “Die Palme und der Stern” zur Hälfte gelesen und Pasajes hat mir gerade eine Email geschrieben, dass “Bekenntnisse eines Bürgers” von Sándor Márai – highly recommended by the Misses – zum Abholen bereit liegt.

Dazu drei Anmerkungen:

Ersten: Ich habe bemerkt, dass es vorgekommen ist, dass ich ein eigentlich gutes Buch unfairerweise nicht fertig gelesen habe, weil ein neues Buch zu verlockend war. Das geschieht immer mit dem Vorsatz, das vorerst zur Seite gelegte Buch, bald wieder zur Hand zu nehmen oder parallel zu lesen, was oft auch gelingt, aber nicht immer. Es kann passieren, dass das einmal zur Seite gelegte Buch im Strudel der Bücher verloren geht.

Zweitens: Es ist aber auch vorgekommen, dass ich mich gezwungen habe ein Buch fertig zu lesen, und so einen Monat verschwendet habe, da das Buch, obwohl ich es als lesenswürdig empfand, mich nicht begeisterte und ich nur sehr langsam vorwärts kam (da ich oft zu Zeiten lese, wenn das Buch gegen den Schlaf ankämpft).

Drittens: Es gibt Bücher, die ich eigentlich zur Seite legen wollte, dann aber doch weiterlas und ich so zu einem großartigen Leseerlebnis kam. (Ein Beispiel dafür ist Ulrich Peltzers “Ein Teil der Lösung“.)

Um mir selbst in dieser ewigen Frage ein wenig mehr Führung zu geben, habe ich gestern deshalb zwei Regeln aufgestellt, an die ich mich von nun an zu halten gedenke:

  1. Ich lege ein Buch frühestens nach einem Drittel des Textes, nie aber vor Seite hundert zur Seite.
  2. Dieser Drittel des Texts, oder die hundert Seiten, müssen in höchstens fünf Tagen gelesen worden sein. Dabei dürfen an keinem Tag weniger als zwanzig Seiten gelesen worden sein, sonst beginnt der Page Count wieder von vorne.

Die erste Regel ist selbsterklärend. Vor einem Kauf und Leseentschluss, schaue ich mir ein Buch genau an, was heißt, dass ich einen guten Grund hatte, zu glauben, das Buch sei gewinnbringend zu lesen. Diese Regel fordert also einen gewissen Respekt für mich selbst (meinen Buchauswahlprozess) und natürlich für das Buch selbst.

Mit der zweiten Regel möchte ich sicherstellen, dass ich genügend Zeit habe, in das Buch einzutauchen, ohne dabei den Faden zu verlieren. Dieses Verlieren des Fadens, oder die Tatsache, dass man durch unregelmäßiges Leben an der Oberfläche des Buches bleibt und nicht in dessen Welt eintaucht, sind oft ein Grund für mich, ein eigentlich lohnendes Buch zu früh zur Seite zu legen.

So, das wär’s. Halte ich mich an beide diese Regeln, sehe ich keinen Grund warum ich ein Buch nicht zur Seite legen sollte. Das Leben ist kurz.

Da ich gestern nicht zum Lesen kam, waren jetzt also mindestens hundert Seiten Padura auf mich, bevor ich mich Márai zuwende.

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