Aus dem Meer und auf dem Meer (Makrelen und Matteo)

Ich stehe um … wann? … Ein Blick auf meine iPhone Weckapp: Es war halb sechs. Ich stehe also um halb sechs auf, zu müde für alles, zum Meditieren, um in mein Journal zu schreiben, für den Gym. Trotzdem schnüre ich meine Laufschuhe, setzte mich aufs Sofa, trinke einen Espresso und meditiere. Dann laufe ich los.

Es ist kalt. Die ersten Pendler sitzen in der Dunkelheit ihrer Autos oder streben mit zusammengezogenen Schultern und gesenkten Köpfen zur Metrostation. Schon von ganz unten sehe ich “Fit Star” gelb am schwarzen Nachthimmel leuchten. Drei Kreisel gilt es bis dahin zu umrunden. Auf der Running App hinterlässt mein kurzer Lauf eine gerade Linie mit drei winzigen Ausrutschern.

Eine Stunde lang bin ich im Gym. Die anderen – es mögen an die Zwanzig sein – die um diese Zeit bereits ihre Herzen auf Hochtouren bringen oder Gewichte heben, sehen aus, als böten sie der berühmt-berüchtigten spanischen Wirtschaftskrise Paroli. Alles wird leichter, wenn man am Morgen trainiert.

Wieder zuhause lege ich eine Mendelsohn-CD in den Player und drehe die Rolläden bei Carol und Paul hoch. “Wie spät ist es”, fragt Carol. “Acht.”Paul ignoriert mich und schläft weiter.

Zum Frühstück esse ich ein Makrelen-Sandwich und frage mich, ob es sich bei Makrelen um Fische handelt, die man mit gutem Gewissen essen darf. Am Nachmittag finde ich dann diese sehr informative Website: The Good Fish Guide, von der Marine Conservation Society.

Ich komme mir manchmal vor, als lebe ich auf dem Kamm einer perfekten Welle. Geboren in einer der reichsten Makroregionen aller Zeiten. Was vor hundert Jahren noch Königen vorbehalten war, ist nun an jeder Ecke erhältlich. Zum Beispiel Thunfisch. Diese mächtigen Fische, die in für mich eigentlich unerreichbaren ozeanischen Zonen leben. Für den Gegenwert von wenigen Minuten Arbeit, gibt es in jedem Supermarkt eine Kartonpackung mit drei Dosen ihres Fleisches. In einigen Jahrzehnten soll’s keine Tunfische mehr geben. Und mit allem ist es so: Mit dem Regenwald, mit dem Weltklima. Vorläufig aber surfen wir weiter auf der perfekten Welle.

Es stellt sich heraus, dass man Makrele (im Gegensatz zu Thunfisch) durchaus essen darf, wenn auch mit Vorbehalten.

Am Nachmittag arbeite ich. Ich spreche mit einem Kunden und erfahre, dass einer der drei Partner der Kundenfirma sich zur Zeit auf hoher See befindet. Irgendwo zwischen den Kanarischen Inseln und der Karibik. In einem Ruderboot. Alleine. Matteo Perucchini in der Sogno Atlantico. Ich bezweifle, ob Matteo sich von meinem frühen Aufstehen und morgendlichenm Training sehr beeindrucken lassen würde.

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

Connecting to %s