Wochengedicht

Ich lese “Der Stift und das Papier“, ein autobiographischer Roman von Hanns-Josef Ortheil. Als Kind begann Ortheil unter Anleitung seines Vaters, tägliche Notizen über den Tagesablauf anzulegen. Irgendwann schlug der Vater vor, Wochengedichte zu basteln. Bub Hanns-Josef schrieb einzelne Sätze aus den Tagesblättern ab und stellte sie zu holprigen Wochengedichten zusammen.

Ich lege das Buch zur Seite und tue dasselbe. Meins ist noch holpriger als das von Bub Hanns-Josef, aber es macht Spaß, alle Wocheneinträge nochmals zu überfliegen (und dabei ein paar Fehler zu korrigieren), Sätze zu copy-pasten, dann zu kürzen, umzustellen, da und dort ein Wort einzufügen und die Zeitformen von ein paar Verben zu ändern.

Hier also mein erstes Wochengedicht:

Les Alqueries,

der Morgen:

als hätte sich die Zivilisation wie ein Pilzbefall über die Landschaft gelegt:

Lager- und Gewerbehallen,

wuchernde Einfamilienhäuser und Wohnblöcke,

Orangen- und Mandarinenhaine.

Les Alqueries,

der Abend:

Chengs chinesische Nudelsuppe, gekochte und frittierte Eier.

Wir sprechen

über Zukunftspläne:

Das Schreiben von Büchern, das Gründen von Firmen.

über die Jugend:

Bauernhöfe in Trondheim, in Canterbury.

über Filme.

Wenn ich könnte:

Pro Woche einmal ins Kino gehen,

ein Buch lesen.

Ich kann nicht, aber ich werde

mein Bestes geben

um doch ein wenig zu können.

 

 

 

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