Die Landschaft in Castellón

Wie erwähnt stand unser Haus merkwürdigerweise auf der Insel eines Kreisverkehrs, oder genauer gesagt auf der Insel des kleineren eines Doppelkreisels. Auf der einen Seite lag hinter dem das Anwesen umgebenden Zaun ein großer Kreisel und auf der anderen ein kleiner. Hinter dem kleinen Kreisel erstreckte sich eine Orangenplantage. Die Landschaft um das Haus war ein merkwürdiges Flickwerk. Sie lud nicht zum Spazieren ein, außer man streifte durch die Orangenplantage, was Jouni mit seinem Dobermann Juho tat, oder man ginge einer der Straßen ohne Bürgersteig entlang.

Ich betrachtete die Landschaft aus dem Auto und aus der Bahn  heraus und stellte fest, dass der gesamte Küstenstreifen zwischen Valencia und Castellón oberflächlich betrachtet vor allem aus Dreierlei besteht: aus Lager- und Gewerbehallen (meist ungepflegt; auf den sie umgebenden Plätzen und Feldern liegt oft Geröll und Gerümpel); wuchernden und scheinbar ohne Raumplanung entstandenen Einfamilienhäusern und Wohnblöcken; sowie Orangen- und Mandarinenhainen, welche sämtliches nicht bebautes Land in Anspruch zu nehmen scheinen (mit der Ausnahme wilder Hügel die sich in einiger Entfernung der Küste entlang zogen).

Die Gegend erinnert mich an Louisiana in “True Detective”. Nicht dass das Wenige was ich von der Landschaft in Valencia und der in Louisiana gesehen haben, wirklich vergleichbar wäre, aber an beiden Orten kommt es mir vor, als hätte sich die Zivilisation wie ein Pilzbefall über eine schöne und wilde Landschaft gelegt, mit dem Resultat, dass ein zufälliges Bild aus Natur, Landwirtschaft, Gewerbe und Siedlung entstand. Es kommt mir vor, als werde die Landschaft nicht als öffentlicher Raum gesehen, die als Gesamtheit einen Wert besitzt, sondern als komme es nur auf die einzelnen Parzellen in ihr an. Jede Parzelle erfüllt ihre Funktion, wobei das Füllland zwischen den Parzellen sich selbst überlassen wird und das Gesamtbild zufällig entsteht und keine Rolle spielt. Trotz diesem Fokus auf das Privatterritorium aber, herrscht mancherorts auch bei der Pflege derselben der “südliche Schlendrian”: man sieht viel Halbfertiges und Unaufgeräumtes. Im Allgemeinen aber merkt man, dass die Orangenindustrie und der Tourismus Geld in die Gegend bringen (obwohl mancherorts auch bescheidene oder sogar ärmliche Häuser und Quartiere zu sehen sind). Die beiden Strände die wir gesehen haben waren ein wenig heruntergekommen, hatten aber einen rauen Charme. Am einen aßen wir Paella, und am anderen beobachteten wir Surfer. Am Surferstrand stand ein heruntergekommenes Hotel (Hotel Aloha), in dem man nicht Urlaub machen will und dem anderen entlang zog sich eine Häuserreihe; sämtliche Häuser hatten zum Meer hin eine kleine Veranda, sie wirkten aber alle verlassen.

Trotz diesem flickwerkartigen Aufbau aber, ist die Gegend eigentlich sehr schön anzusehen, vor allem wegen der farblichen Mischung aus den orangen Hainen, dem blauen Himmel und Meer und den grün-brauen Hügeln im Hintergrund. Und wie oft in Spanien, findet man das Schöne nicht im Gesamtbild sondern im Detail: In den Menschen, den Café, den Restaurants und hundert anderen Dingen.

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

Connecting to %s