04.01.2016

Wir sind immer noch im Landhaus in Les Alqueries. Am Morgen schlief ich ungewohnt lange, bis nach acht Uhr. Paul und ich wohnen in einem kleinen Apartment, vermutlich einer der ehemaligen Ställe oder Lagerräume dieses Anwesens. Unser Schlafzimmer liegt hinten, während sich vorne, zum Garten hinaus, ein kleiner Aufenthaltsraum befindet, wo man aber anstatt eines Sessels oder eines Sofas noch ein Bett hingestellt hat, so dass es im ganzen Apartment keine bequeme Sitzgelegenheit gibt. In diesem Aufenthaltsraum steht zwar auch ein Tisch, aber am frühen Morgen sitze ich lieber in einem Sessel. Außerdem sollte es nach Kaffee duften und eine angenehme Temperatur herrschen. Hier habe ich weder das Eine noch das Andere. Im hinter dicken Steinmauern liegenden Raum herrscht eine unangenehme Kühle, gegen welche die ununterbrochen Wärme ausströmende Heizung machtlos zu sein scheint und die Kaffeemaschine steht im Hauptgebäude wo Ronny in einem Mezzanin direkt über der Küche schläft. Ich würde ihn wecken, wenn ich um sechs Uhr schon Kaffee machen würde. Kein bequemer Sessel, eine unangenehme Temperatur, kein Kaffee – es fehlen also sämtliche Voraussetzungen, welche ein frühes Aus-dem-Bett-klettern rechtfertigen würden. Wie schon gestern blieb ich also auch heute neben Paul liegen und dachte nach. Es war warm und gemütlich unter der Decke und ich liebe es, wenn ich den Kleinen ruhig neben mir atmen höre, aber ich war trotzdem ein wenig unruhig, weil ich in den frühen Morgenstunden lieber aufstehe als im Bett zu liegen und weil ich ständig an meinen Kaffee dachte.

Erst um zwanzig nach acht stand ich schließlich trotzdem auf und machte mir, Ronny hin oder her, einen Kaffee. Ich setzte mich in einen Gartenstuhl vor unser Apartment und begann zu schreiben:

“Ich sitze draußen, es ist kühl, über mir leuchtet ein Sichelmond und auf dem Kreisel an welchem das Haus liegt, herrscht etwas mehr Verkehr. Das liegt wohl daran, dass es Montagmorgen ist. Alle anderen, inklusive Paul, schlafen noch.”

Dann begann ich über meine Erfahrung mit den ersten acht Blogposts zu schreiben, kam aber nicht weit, da Paul ohne dass ich etwas gehört hätte, aus dem Bett gekrochen war und breit lachend, voller Vorfreude auf einen langen Tag voller Spiele mit seinen Freunden wohl, zu mir herauskam. Wir nahmen uns zwei Mandarinen vom Baum und frühstückten. Sie schmeckten hervorragend. Danach trank ich mehr Kaffee und Paul und ich aßen Kiwis und Bananen. Allmählich trafen auch die anderen Hausbewohner im Aufenthaltsraum ein. Es war bereits nach zwölf Uhr, als endlich alle Anderen, außer den Keränens – Jouni, Cheng und Emily – aufgestanden waren und gefrühstückt hatten.

Wir fuhren an einen nahen Strand. Es regnete leicht und es ging ein starker Wind. Wir beobachteten ein paar Wind- und Drachensurfer  an welchen die Kinder (Ian, Juno, Saku, Baby Daia und Paul) bald das Interesse verloren und gingen dann zum etwas heruntergekommenen Spielplatz. Gleich daneben lag einer dieser Freiluftgyms für Senioren, die man in ganz Spanien findet (sie sehen alle gleich aus – jemand muss damit reich geworden sein) und wunderten uns über Geräte, die keinen Sinn zu machen schienen. Nach ungefähr einer Stunde fuhren wir wieder zurück.

Es war zwei Uhr als wir wieder beim Haus (das übrigens auf der Insel eines Verkehrskreisels stand) ankamen und die drei Langschläfer hatten immer noch nicht von sich hören lassen. Abel befürchtete, dass es in ihrem Apartment zu einem Gasaustritt gekommen war und guckte nach, ob sie sang- und klanglos im Schlaf gestorben waren. Sie lebten noch, aber es stellte sich heraus, dass die Kleine etwas Schlechtes gegessen oder einen Magenvirus aufgefangen hatte und sich die ganze Nacht lang übergeben hatte. Auch Jouni hatten Magenprobleme. Die drei und ihr Hund tauchten erst am frühen Abend wieder aus ihren Zimmern auf.

Wir aßen im Aufenthaltsraum des Haupthauses zu Mittag und danach schlief Paul zwei Stunden lang. Ich nutzte die Zeit, um einen Teil dieses Textes zu schreiben und etwas in einem der Ortheil Dudenbücher zu lesen.

Später am Nachmittag und am Abend saßen wir zusammen, aßen Chengs chinesische Nudelsuppe mit gekochten und frittierten Eiern (Jounis Freundin Cheng ist aus Wuhan) und spielten mit den Kindern. Wir sprachen über Filme und unsere Zukunftspläne, über das Schreiben von Büchern und das Gründen von Firmen, über unsere Jugend (Ronny und Tomokos Ehemann Simon sind auf Bauernhöfen aufgewachsen, der eine in Norwegen an einem Fjord bei Trondheim, der andere in Canterbury in England; sie sprachen über Schafsdung und Pferdeäpfel und andere Dinge, von denen ich nicht viel verstehe) und über allerlei Anderes. Wie immer war ich der erste, der den Aufenthaltsraum Richtung Apartment verließ, da ich Paul nicht alleine in einem anderen Teil des Gebäudes lasse und auch weil ich die Gelegenheit nutzen wollte, noch ein wenig zu notieren. Ich kam nicht mehr zum Notieren, sondern schlief neben Paul ein.