02.01.2016

In der Metro nach Atocha, im Hochgeschwindigkeitszug nach Valencia, im Vorortszug nach Castellón, und im Auto nach Les Alqueries: Paul hat eine lange Reise hinter und eine noch viel längere vor sich. Eine Reise durch eine unvorstellbare Zukunft. Genauso wie auch die anderen fünf Kinder hier im Landhaus, das wir für drei Tage gemietet haben.

Insgesamt sind wir zu vierzehnt. Von den acht Erwachsenen haben sich fünf – Jouni, Ronny, Tomoko, Abel und ich – vor sechzehn Jahren bei einem Praktikum in Indien getroffen.

Jouni aus Finnland sprach damals oft von China wo er sein Glück als Unternehmer versuchen wollte. Zwei Jahre später, nachdem sein erstes Unternehmen alles Kapital in den Sand gesetzt hatte, schaffte er es tatsächlich ins nicht mehr so rote Reich. Über Umwege wurde er dort zu einem erfolgreichen Player im Trickfilm-Business – was auch immer das heißen mag. Unterdessen ist er zurück in Europa, bereit sein drittes oder viertes Start-up auf die Beine zu stellen.

Ronny aus Norwegen war vor ein paar Jahren noch Telekom-Manager mit dem dem dazugehörigen Auto und Haarschnitt. Unterdessen hat er einen Bart, einen Sohn, eine Ex-Frau und arbeitet als Tauchlehrer auf den Malediven.

Abel aus Spanien hat nach Indien für das spanische Konsulat in Brasilien, bei einer NGO in Afrika und bei einem Großunternehmen in Helsinki gearbeitet. Unterdessen ist er zurück in Spanien und arbeitet als Beamter im Innenministerium.

Tomoko aus Japan hat in Argentinien gelebt und versucht Wein zu exportieren und Mangas zu importieren. Nachdem Argentinien (gemäß den Angaben ihres englischen Ehemanns) in der Kirchner-Zeit langsam vor die Hunde gegangen war, beschlossen die beiden nach Spanien zu ziehen. Beide ihrer Kinder sind hier geboren. Der älter ist unterdessen sechs Jahre als.

Kombiniert sprechen die sechs Kinder dieses bunten Haufens von digitalen Lifestyle-Nomaden Englisch, Spanisch, Japanisch, Finnisch, Chinesisch und Deutsch. Wenn sie so alt sein werden wie wir damals in Indien, werden sie in einer aus heutiger Sicht nicht wiederzuerkennenden Welt leben. Bis sie so alt sein werden wie wir jetzt, werden sie vielleicht die Singularität oder den Zusammenbruch unserer Zivilisation erlebt haben. Vielleicht beides.

Eine lange Reise für einen zweieinhalbjährigen, der auf der Bank kniete und mit großen Augen auf die vorbeiziehenden Orangenhaine und heruntergekommenen Lagerhallen an der Küste Valencias hinaus starrte.

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