Der Dämon

Joe Rogan spricht öfters über Steven Pressfield und dessen Buch “The War of Art“, in welchem es um den Kampf des Künstlers mit dem inneren Dämonen geht. (Hier unterhalten sich die beiden.)

Ich habe manchmal Phasen, in denen ich Bücher dieser Art lese; nicht so wie ich üblicherweise Bücher lese (immer in Papierform), sondern indem ich sie auf meine Kindle-App herunterlade und schnell in mich aufsauge.

Von Steven Pressfield kaufte ich mir vor ein paar Wochen die eBook-Ausgabe von “Do the Work“. (Neben Joe Rogan, erwähnte auch Derek Sivers das Buch und Seth Godin schrieb das Vorwort.)

Das Buch ist aus der Sicht des Künstlers geschrieben, der etwas schaffen will (Pressfield schreibt Romane), es befasst sich aber mit der menschlichen Psychologie ganz allgemein. Kurz zusammengefasst schreibt Pressfield, dass ein Dämon gegen uns arbeite (er nennt ihn “resistance”). Dieser Dämon ist in uns. Er ernährt sich von unserer Angst. “He will kill you!”, sagte ein Rabbiner-Freund von Pressfield.

Was wir ihm entgegensetzen können ist Liebe und Arbeit.

“The opposite of fear is love – love of the challenge, love of the work, the pure joyous passion to take a shot at our dream and see if we can pull it off.”

Indem er einen Dämonen schafft, personalisiert Pressfield die Angst in uns, welche uns in den Bereichen unseres Lebens, die wir nicht im Griff haben – ob wir uns dessen bewusst sind oder nicht – im Wege steht. Pressfield erhebt die dunkelsten Seiten unserer Psychologie zur Gestalt, die es zu bekämpfen gilt – durch Liebe und durch Arbeit (doing the work, wie der Titel des Buches vorschlägt).

Ich glaube, dass dieser Dämon real in uns existiert – in jedem Menschen, nicht nur im Künstler. Vor langer Zeit wurde das einmal Erbsünde genannt – ein Begriff der heute nicht mehr verständlich ist. Francis Spufford spricht von The Human Propensity to Fuck Things Up.  Konrad Lorenz vom Sogenannten Bösen.

Natürlich existiert er nicht so wie die Kardashians existieren, sondern so, wie die Brüder Karamasow existieren. Die Brüder Karamasow können uns helfen, die Welt und uns selbst in ihr zu verstehen. Wir ringen mit ihnen und sie werden real in der Welt – viel realer als die Kardashinans. Wichtig ist nicht, dass es irgendwo eine Kim in Fleich und Blut gibt und nirgendwo einen Fyodor, sondern dass Kim in uns nicht lebt, Fyodor aber sehr wohl. Im Gegensatz zu Kim könnte Fyodor nie zum Objekt echter wissenschaftlicher Analyse werden (Wissenschaft im Sinne von science, nicht im Sinne von Sozialwissenschaft usw.); er existiert aber ganz real in jedem Menschen, der sich mit ihm auseinandersetzt.

So gesehen, erkenne ich den Dämonen in mir als eine Gestalt, geboren aus meiner eigenen Angst, die mir stets weiszumachen versucht, dass sie gar nicht existiert.

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